Presseerklärung zu verschwundenen Höhlen in Deutschland

Presseerklärung zu verschwundenen Höhlen in Deutschland

Verschwundene Höhlen in Deutschland
Die Eiskapelle am Königssee
Die Eiskapelle – ein verschwundenes Naturjuwel
In diesem Jahr will der VdHK darauf hinweisen, dass der Klimawandel vor Höhlen nicht Halt
macht. Im Oktober 2025 mussten wir das Verschwinden der Firneishöhle Eiskapelle im
Nationalpark Berchtesgaden hinnehmen.
Eiskapelle am Königssee. Fotos von links nach rechts: Werner Vogel 1994, Philipp Janka 2019,
Hochschule München 2025.
Die Eiskapelle am Fuße der Watzmann Ostwand war das am tiefsten liegende Firneisfeld
Deutschlands und wurde in der Vergangenheit durch die winterlichen Niederschläge in Form von
Schneelawinen genährt. Jeweils im Frühling drang das Schmelzwasser aus der Watzmann-
Ostwand in den Lawinenkegel ein, dadurch entstanden tunnelartige Gänge im Eis. Der Wind
verstärkte diesen Prozess und formte glatte, manchmal bläulich schimmernde Eisflächen. Diese
Eistunnel konnten bis zu 800 Meter lang sein.
Die Eiskapelle am Watzmann blickt auf eine bewegte Geschichte zurück: Als faszinierendes
Naturphänomen und beliebtes Ziel für Abenteurer, Forscher und Sportler hat sie über die
Jahrhunderte immer wieder für Aufmerksamkeit und leider auch für Gefahrenpotential gesorgt.
1797 besucht Alexander von Humboldt die Eiskapelle und dokumentiert sie als einer der ersten.
Von 1963–1973 organisierte die Bergwacht Berchtesgaden um Pfingsten ein Skirennen auf dem
Firneisfeld – den „Eiskapellenpokal“. Prominente Skifahrer wie Rosi Mittermaier und Christian
Neureuther nahmen teil und danach wurde traditionell im Königssee gebadet.
Es kam aber auch zu tragischen Unfällen, da der Eingangsbereich im Sommer fragiler und die
Höhlendecke dünner wurde. So 1984, als eine Eisbrücke am Eingang plötzlich zusammenstürzte
als sich eine Schulklasse dort aufhielt. Ein Junge starb, drei weitere Schüler wurden schwer
verletzt. 1994 stürzte ein Schüler in die Randkluft und konnte nur stark unterkühlt geborgen
werden.
Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V.
Bärbel Vogel, Hauptstr.5, 87484 Nesselwang 08361/269 vorsitz@vdhk.de vdhk.de 2
Auch für Bergsteiger wurde das schmelzende Juwel zur Gefahr. 2016 wurde ein Bergsteiger
durch gleitende Felsblöcke eingeklemmt. Zwei Jahre später brach das stark auskragende Eisfeld
an der Nordseite ab und riss einen Bergsteiger in den Tod.
Wissenschaftliche Erforschung
1991 begann die jährliche Dokumentation der Eiskapelle durch Höhlenforscher um Andreas
Wolf. 1994 führte die Technische Universität München (TUM) erste Vermessungen durch, ab
2014 setzte die Hochschule München regelmäßig Drohnen, Kameras und Laserscanner ein, um
die Entwicklung der Eiskapelle zu monitoren. So konnte man erkennen, dass die Eiskapelle in
den letzten 30 Jahren einer wechselhaften Dynamik unterworfen war. Von 1953 bis zirka 2005
war die Flächenentwicklung noch relativ stabil, es wurde nur ein sehr geringer Rückgang
beobachtet. Dies änderte sich ab 2006 mit sehr großen Massenverlusten, die nur durch die sehr
niederschlagsreichen Winter 2017/2018 und 2018/2019 temporär kompensiert werden konnten
und im September 2025 leider zu einem Totalverlust führten.
Könnte die Eiskapelle wiederentstehen und wenn ja, in welcher Größe?
Die Wiedergeburt der Eiskapelle ist von den Faktoren: winterlicher Niederschlag in Form von
Schnee, kühle Sommer und geringe, warme sommerliche Niederschläge, abhängig. Da bei den
drei genannten Faktoren, der winterliche Niederschlag (2025/2026) fast nicht stattfand, die
letzten drei Sommer Rekordtemperaturen aufzeigten und dadurch auch die sommerlichen
Niederschläge warm ausfielen, ist mit einer zeitnahen Wiederentstehung der Eiskapelle nicht zu
rechnen. Erschwerend bildet das westliche Ende des Eisbachtales am Fuße der Watzmann
Ostwand einen halbgeschlossenen Felsenkessel, in dem der Lawinenschnee zu einem
Firneismassenkörper wird. Der Felsenkessel wirkt jedoch wie in einem Brennglas, dessen
Sonnenstrahlen durch die hellen Felswände reflektiert werden und damit das Wachsen und
Wiedererstehen der Eiskapelle erschweren.
„Inwieweit die Schneemassen der Watzmann-Ostwand als Firneis gegen die Wärme von
Sommer und Regen ankommen und bestehen können, wird die Zukunft zeigen. Die
Beobachtungen der Eiskapelle – der ausgewiesenen Nr.100 von „Bayerns schönsten Geotopen“
– werden fortgesetzt und wir werden weiter darüber berichten,“ so Andreas Wolf.
Verschwundene Höhlen in Deutschland
Seit 2025 veröffentlicht der Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V. (VdHK) die
Anzahl der verschwundenen Höhlen. Naturhöhlen wurden und werden überall auf der Welt
zerstört – die überwiegende Mehrheit durch Gesteinsabbau. Dokumentiert werden derartige
Fälle nur selten.
Gegenwärtig befinden sich auf der Liste des Verbandes 704 Höhlen, ehrenamtlich erfasst von
Höhlenforschern und bewahrt von Höhlenkatasterführern aus allen Teilen Deutschlands.
Die Zahlen des VdHK sind nur die Spitze des Eisbergs. In der Wahrnehmung der Öffentlichkeit,
der Politik und von Behörden wird jeder neue Fall wieder als Einzelereignis betrachtet, der
systematische Verlust dabei nicht angemessen registriert. Höhlen sind einzigartige
Lebensräume und schutzwürdige Geotope. Jeder Verlust ist ein Verlust für immer.
Verschwundene Höhlen kann man nicht wieder herstellen.
Mit den Höhlen verschwinden auch die sie umgebenden Landschaften und Höhleninhalte, wie
archäologische und paläontologische Relikte und Tropfsteine, die als Klimadatenspeicher für
die Wissenschaft wichtige Daten liefern für immer.
Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V.
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Der VdHK richtet einen dringenden Appell an alle Grundstückseigentümer, Behörden und
Höhlenforscher:
1. Höhlen und Karstgebiete vor Zerstörung zu bewahren!
2. Wenn unumgänglich, sie zumindest vor der Zerstörung fachgerecht zu dokumentieren!
3. Zerstörungen zu melden!
Auch aktuell sind bedeutende Höhlengebiete vom Abbau bedroht. Das sogar in ausgewiesenen
Schutzgebieten, wie derzeit im Gipskarst des Südharzes in Sachsen-Anhalt. Dieses Gebiet wird
vom VdHK und vielen internationalen Experten als UNESCO Weltnaturerbe-würdig erachtet.
Weitere Infos zum Gipskarst: https://www.vdhk.de/schutzgebiete-und-geoparks
Fotos zur Eiskapelle hier abrufbar
Kontakt
zur Eiskapelle: zur Liste der verschwundenen Höhlen:
Institut für angewandte Verband der deutschen
Höhlen und Karstforschung Höhlen- und Karstforscher – VdHK
Geschäftsführer Sprecher der Katasterführer
Andreas Wolf Gerhard Stein
wolf@karstinstitut.org gerhard.stein@hoehlenkataster-hessen.de
Informationen zur Eiskapelle:
YouTube- Vortrag von 2024 (ca. ab Min. 15):
Andreas Wolf: Die Eiskapelle, 30 Jahre interdisziplinäre Forschung
Aus dem Magazin des Nationalparks Berchtesgaden
Eisige Schönheit -Vertikale Wildnis 32, 2018
Schwindende Schönheit – Vertikale Wildnis 45, 2024
Pressemeldung Nationalpark Bgd: Einsturz der Eiskapelle 09.09.25
Weiterführende Infos zu verschwundenen Höhlen in Deutschland
https://www.vdhk.de/verschwundenen-hoehlen

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