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Nationalparkverwaltung sieht gefährdete Tierarten auf dem Brocken durch Bundeswehr-Pläne bedroht
Bei allem Verständnis für die Belange der Streitkräfte muss der Nationalpark Harz die Veranstaltung eines Karrierecamps ablehnen.
Wernigerode, 26. Januar 2026. Die Brockenkuppe im Nationalpark Harz ist Lebensraum, Ruhe- und Reproduktionsstätte seltener und bedrohter Arten, beispielsweise der gesetzlich besonders geschützten Ringdrossel, die auf dem Brocken brütet, sowie der streng geschützten Nord- und der Zweifarbfledermaus, die in der Zeit dort ihre Quartiere in den Fassaden der Gebäude beziehen. Für die Ringdrossel, einer Singvogelart, ist der Brocken das einzige Brutgebiet in einem Umkreis von mehreren hundert Kilometern. Derzeit gibt es hier nur sechs bekannte Brutpaare dieser Vögel. Die Größe der Population hat in den letzten Jahrzehnten bereits abgenommen. Der Nationalpark Harz hat als Großschutzgebiet eine besondere Verantwortung für den Schutz und Erhalt solcher Arten, die sehr empfindlich auf Störungen reagieren. Hier hat der Naturschutz gesetzliche Priorität.
Die jetzt bekannt gewordenen Pläne der Bundeswehr, auf dem Brocken im Mai ein etwa zweiwöchiges „Karrierecamp“ zu veranstalten und in diesem Rahmen unter anderem auch Hubschrauberlandungen und Tiefflüge durchzuführen, hält die Nationalparkverwaltung deshalb für außerordentlich bedenklich. Aus Naturschutzgründen muss sie dieses PR-Vorhaben ablehnen, wenngleich sie volles Verständnis für die Belangen der Bundeswehr hat, Werbung für den Dienst bei den Streitkräften zu machen. Doch um gerade junge Menschen anzusprechen, gibt es nach Auffassung der Verantwortlichen des Nationalparks viel besser geeignete Orte, auch in der Nationalpark-Region, wo die Werbung für die Bundeswehr nicht unvermeidlich in Konflikt mit dem Artenschutz tritt. Daher appelliert die Nationalparkverwaltung an die Bundeswehr, ihre Pläne zu überdenken.
Hubschrauberflüge sind massive Störung für Brutvögel auf dem Brocken
Der Flug eines Hubschraubers stört Vögel wie die Ringdrossel durch den einsetzenden starken Lärm und die optischen Einflüsse, die dem Effekt eines Beutegreifers nahekommen, massiv. Vögel zeigen je nach Art, Lebensraum und Lebensphase sehr unterschiedliche Reaktionen auf tiefe Flüge – unter anderem können während der Brutzeit Nester durch die Störung verlassen werden. Angesichts der geringen Zahl an Brutpaaren der Ringdrossel wäre bereits der Abbruch eines Geleges ein gravierender Verlust. Bei Fledermäusen kann die Konsequenz von solcherlei starken akustischen Störungen die Aufgabe ihrer Quartiere sein.
Zudem stellt der Brocken einen Hot-Spot für das Auftreten einiger seltener durchziehender Vogelarten dar, die auf ihrer Wanderung hier einen Zwischenhalt einlegen. Aus diesem Grund ist der Brocken auch Teil des FFH-Gebiets Hochharz sowie des Vogelschutzgebiets Hochharz – ganz unabhängig vom Nationalparkstatus: Die Brockenkuppe ist ein sehr empfindlicher Lebensraum seltener Tier- und Pflanzenarten, darunter auch die bedrohte Brockenanemone. Zum Schutz der Natur sollen menschliche Aktivitäten hier möglichst zurückhaltend stattfinden.
Nationalpark schlägt vor, Camp außerhalb des Schutzgebiets zu veranstalten
Die Nationalparkverwaltung Harz als für den Brocken zuständige Naturschutzbehörde wurden von den Planungen zur Vorbereitung und Durchführung eines „Karrierecamps“ der Bundeswehr auf der Brocken-Kuppe vor wenigen Tagen vor vollendete Tatsachen gestellt. Angesichts der Brut- und Setzzeit, also während der Geburts- und Aufzuchtzeit zahlreicher, auch streng geschützter Tierarten, sowie der in dem Zeitraum liegenden, erfahrungsgemäß besucherstärksten Wochenenden des Jahres (Christi Himmelfahrt und Pfingsten) mit ohnehin überfüllter Brocken-Kuppe, hält sie das Vorhaben der Bundeswehr für äußerst unsensibel. Formal hat sie jedoch keine Handhabe, die Veranstaltung zu verhindern. Den in diesem Rahmen vorgesehenen Landungen, Anflügen oder Überflügen mit Hubschraubern oder Flugzeugen kann die Nationalparkverwaltung jedoch nicht zustimmen. Sie hat der Bundeswehr gegenüber ihre großen naturschutzfachlichen Bedenken zum Ausdruck gebracht und schlägt vor, den Ort für diese Veranstaltung mit vorgesehener Präsentation auch mehrerer Rad- und Kettenfahrzeuge zu überdenken. Die Nationalparkverwaltung hat der Bundeswehr dafür bereits einen konkreten Vorschlag unterbreitet – ebenfalls mit direkter Anbindung zu den Harzer Schmalspurbahnen (HSB) außerhalb des Nationalparks.
Das unterstützenswerte Ansinnen, Werbung für die Bundeswehr zu machen, sollte nicht mit einer vermeidbaren Bedrohung geschützter Tiere einhergehen, da es sinnvolle und praktikable Alternativen gibt. Der gesetzlich verbriefte Biotop- und Artenschutz (Bundesnaturschutzgesetz, Vogelschutz- und Flora-Fauna-Habitat-Richtlinien der Europäischen Union) als ebenfalls wichtige gesellschaftliche Aufgabe zur Daseinsvorsorge für uns Menschen sollte respektiert werden. Nur 0,6 Prozent der Landfläche Deutschlands gehören zu Nationalparken.
FOTO: Eine Ringdrossel auf dem Brocken. Die Vögel haben hier ihr einziges Brutgebiet in einem Umkreis von mehreren hundert Kilometern.
(Foto: Kim Stey; Verwendung frei mit dieser Pressemitteilung, Namensnennung erforderlich)
Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrage
Martin Baumgartner
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