Kosovo-Delegation zu Gast im Nationalpark Harz

Kosovo-Delegation zu Gast im Nationalpark Harz

Internationaler Austausch über modernes Nationalparkmanagement und nachhaltige Regionalentwicklung im Rahmen eines DBU-Förderprojekts

Vor wenigen Tagen besuchte eine hochkarätige, 17-köpfige Delegation aus dem Kosovo den Nationalpark Harz. Ziel des Arbeitsbesuchs war es, sich über bewährte Praktiken des deutschen Schutzgebietsmanagements, die Walddynamik sowie die erfolgreiche Einbindung regionaler Akteure zu informieren. Die Exkursion fand im Kontext eines internationalen Kooperationsprojekts statt, das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und der Schweizer Hans-Wilsdorf-Stiftung gefördert wird.

Die Delegation aus dem Kosovo war breit aufgestellt: Neben dem Leiter der kosovarischen Umweltbehörde und der Führung des Nationalparks Bjeshkët e Nemuna nahmen auch Vertretungen angrenzender Kommunen sowie regionaler Nichtregierungsorganisationen (NGOs) an der Reise teil. Geleitet wurde die Exkursion von Eick von Ruschkowski, Direktor der Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz (NNA), gemeinsam mit Fachreferenten der Nationalparkverwaltung Harz.

Im Zentrum des Programms stand der fachliche Erfahrungsaustausch zu Biodiversitätsmonitoring, natürlicher Walddynamik („Waldwandel“) und dem Aufbau von Besuchendeninfrastruktur. Ein besonderes Augenmerk galt den Modellen der engen Zusammenarbeit mit Partnern vor Ort, um Naturschutz und nachhaltigen Tourismus zu vereinbaren.

„Naturschutz gelingt auf Dauer nur mit den Menschen vor Ort, nicht ohne sie“, betont Nationalpark-Leiter Roland Pietsch. Eick von Ruschkowski knüpft daran an: „Der Harz zeigt eindrucksvoll, wie der Spagat zwischen Naturschutz und der Entwicklung regionaler Wertschöpfungsketten gelingen kann. Diesen wertvollen Erfahrungstransfer wollen wir nutzen, um im Kosovo den Wandel hin zu einem modernen, partizipativen Management zu unterstützen.“

Der Studienaufenthalt ist ein zentraler Baustein des Vorhabens „Entwicklung von Leitlinien für nachhaltige Regionalentwicklung und Stärkung von Stakeholderkapazitäten im Nationalpark Bjeshkët e Nemuna im Kosovo“ (Laufzeit 2025–2028, Projektvolumen ca. 350.000 Euro). Hauptantragsteller ist die NACCON GmbH, enger Kooperationspartner die Stiftung Connecting Natural Values and People (CNVP). Zu den strategischen Partnern gehören die kosovarische Nationalparkdirektion sowie die NNA.

Der kosovarische Nationalpark Bjeshkët e Nemuna umfasst 63.028 Hektar, grenzt an Schutzgebiete in Montenegro und Albanien und ist von herausragender Bedeutung für die Biodiversität. Bislang war das Management jedoch stark auf die reine Kontrolle illegaler Aktivitäten fokussiert, was zu Vorbehalten in der Bevölkerung führte. Hier setzt das DBU-Projekt an und initiiert einen lösungsorientierten Paradigmenwechsel in drei Arbeitspaketen: Kapazitätsentwicklung für das Nationalparkmanagement, Förderung nachhaltiger sozioökonomischer Geschäftsideen vor Ort (wie Almkäsereien oder Biomasse-Heizsysteme) sowie die Einbindung von Bürgerinnen und Bürgern im Sinne der Citizen Science.

„Die Eindrücke aus dem Harz nehmen wir als echten Motivationsschub mit nach Hause“, erklärt Afrim Berisha, Leiter der kosovarischen Umweltbehörde. „Wir haben gesehen, dass ein Nationalpark kein wirtschaftliches Hindernis ist, sondern als echter Zukunftsmotor für eine ganze Region wirken kann, wenn man die lokale Bevölkerung aktiv einbindet.“

Der direkte Transfer von Praxiswissen trägt somit maßgeblich dazu bei, den Schutz der biologischen Vielfalt dauerhaft mit den wirtschaftlichen Bedürfnissen der Menschen im Kosovo in Einklang zu bringen.

Foto: Delegation aus dem Kosovo informiert sich im Nationalpark Harz über modernes Management und Walddynamik (Foto: T. J. Hoxha)

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