Braunschweig, 30.10.2025, Vortrag: NS-Spurensuche in der Harzregion am Beispiel der Sprengstoff-Fabrik „Werk Tanne“ in Clausthal-Zellerfeld

Braunschweig, 30.10.2025, Vortrag: NS-Spurensuche in der Harzregion am Beispiel der Sprengstoff-Fabrik „Werk Tanne“ in Clausthal-Zellerfeld

Presse-Information und Einladung

 

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Braunschweig, 30.10.2025: NS-Spurensuche in der Harzregion am Beispiel der Sprengstoff-Fabrik „Werk Tanne“ in Clausthal-Zellerfeld

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Am Donnerstag, 30. Oktober 2025 um 18:30 Uhr referiert der Harzer Geologe Dr. Friedhart Knolle im Rahmen des Wintersemesters der Braunschweiger Vorträge zur Regionalgeschichte im Institut für Braunschweigische Regionalgeschichte, Fallersleber-Tor-Wall 23, Braunschweig, zum Rüstungsbetrieb Werk Tanne. Eintritt frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

 

Das Thema der Rüstungsaltlast Werk Tanne in Clausthal-Zellerfeld wurde lange verdrängt. Dieses geheimnisvolle Werk stellt eine bis heute brisante Altlast im Stadtgebiet von Clausthal-Zellerfeld dar. Was steckt dahinter? Unmittelbar nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten begannen die ersten Planungen für einen massiven Ausbau der Spreng- und Kampfstoffproduktion in Deutschland. Dazu gehörte auch die heute nur unter dem Tarnnamen „Werk Tanne“ bekannte TNT-Produktionsstätte am Stadtrand von Clausthal-Zellerfeld. Das Werksgelände ist zum größten Teil bewaldet und befindet sich in privater Hand. Der Großteil der Fläche ist jedoch wegen des dort vorhandenen Gefährdungspotenzials immer noch nicht frei zugänglich.

 

Bereits Anfang 1934 hielten NS-Rüstungsexperten im Oberharz Ausschau nach einem geeigneten Gelände. Dabei wurden sie bei Clausthal fündig. Ende 1936 war die Sprengstoff-Fabrik in ihren Grundzügen bereits fertiggestellt. Wie viele Schwesterwerke war auch Tanne ein sog. „Schlafwerk“, das nach seiner Fertigstellung zunächst „eingemottet“ wurde, um dann kurz vor dem Überfall auf Polen in Betrieb genommen zu werden.

 

In der Sprengstoff-Fabrik Tanne wurde zum einen der Sprengstoff Trinitrotoluol (TNT) hergestellt, weiterhin wurden TNT und andere angelieferte Sprengstoffe in Bomben, Minen und Granaten abgefüllt. Ein wichtiger dritter Bereich war die Sprengstoffaufbereitung aus Fehlchargen und Beutemunition. Reste der Sprengstoffe und ihre hochgiftigen Abbauprodukte, die z.T. krebserregend sind, finden sich bis heute im Werk und im Grundwasser unter dem Werk und belasten die Umwelt. Zwar wurden die Clausthaler Pfauenteiche saniert und mit Wasserrückhaltebecken versehen, aber das stoppt nur einen Teil der Umweltbelastung. Sogar im Wasser des 13 Lachter-Stollens bei Wildemann und des Ernst August-Stollens bei Gittelde konnte das Gift aus Werk Tanne nachgewiesen werden. Die Abwässer waren so giftig, dass eine Abwasserleitung des Werks bis nach Osterode gebaut wurde, wo die Giftstoffe in Schluckbrunnen bei Petershütte versenkt wurden. Wohin sie von dort unterirdisch flossen, ist bis heute nicht ganz klar. Der Neutralisationsschlamm der Kläranlage des Werks Tanne wurde z.T. mitten im Stadtgebiet von Clausthal-Zellerfeld abgelagert, so im Bereich des Ostbahnhofs und eines ehemaligen Sportplatzes. Der Schlamm enthält bis heute ein erhebliches Potential krebserregender Stoffe.

 

Mit freundlichem Glück Auf
Dr. Friedhart Knolle

Grummetwiese 16

38640 Goslar

Tel. 0170/22 09 174

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